
Lesetipp von
Sönke Christiansen
23.02.2022
Für mich war Kanada ein mit vielen positiven Assoziationen besetztes Land. Die großartige Natur, ein liberales Einwanderungsland und – im Vergleich zu den USA – ein Land, welches seine Ureinwohner vergleichsweise gut behandelt. Mit diesem letzten Punkt räumt Richard Wagamese in seinem teils autobiographischen Roman „Der gefrorene Himmel“ kräftig auf.
Er erzählt die Lebensgeschichte des indigenen Jungen Saul in den 50er und 60er Jahren des 20 Jahrhunderts. In seinen ersten Lebensjahren lebt er mit seinen Eltern und Großeltern tief in den Wäldern Kanadas, doch die Familie zerbricht und Saul wird in eine „Residential School“ gebracht. In diesen, unter kirchlicher Führung betriebenen Einrichtungen, wird den ausschließlich indigenen Kindern der Kontakt zu ihren Familien untersagt und die Verwendung der eigenen Sprache ausgetrieben. Die Kinder verloren den Kontakt zu ihrer kulturellen Gemeinschaft und psychische und sexuelle Gewalt zerstörte oft die Bindungs- und Vertrauensfähigkeit der Kinder. Viele begingen Selbstmord.
Was Saul diese Zeit überstehen lässt, ist seine Liebe zum Eishockey-Spiel. Hier entwickelt er ein besonderes Talent, welches ihm dann auch hilft einen Weg heraus aus der Schule zu finden. Es folgt eine Suche nach Geborgenheit, dem Schutz der Familie und einem Platz in der allzu rassistischen kanadischen Gesellschaft.
Eine sehr ergreifende Lebensgeschichte, die offen und schonungslos die Gewalt und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung im Kanada des vorigen Jahrhunderts beschreibt. Richard Wagamese, der selbst als indigenes Kind seine alkoholabhängigen Eltern verlor, hat mit „Der gefrorene Himmel“ ein schonungslos offenes und gleichzeitig spannendes Buch geschrieben.
Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
Roman
Blessing , 22,00 €
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